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15.01.2014

Crossboccia Featured Player – Äxl Winey

Interview mit dem Deutschen Meister des Trendsports

In dieser Ausgabe der Spielerinterviews haben wir uns mit Äxl Winey, dem amtierenden Deutschen Meister im Crossboccia, zusammengesetzt und ihm ein paar Fragen zu seiner Person und seinem Verhältnis zu unserem freestyle Trendsport gestellt.

Name: Christian Weinmann

Spielername: Äxl Winey

Alter: 27

Repräsentierte Stadt/Wohnort: Wuppertal

Momentane Platzierung in der Weltrangliste: 7

Titelverteidiger im Streetboccia
Wie fühlt man sich als Deutscher Meister?

Generell sehr gut.

Hat sich durch den Titel etwas in deinem Leben verändert?
Ja, ich werde auf der Straße angesprochen, im Supermarkt... Erst gestern wurde ich von meiner Freundin nochmal gelobt. Meine Mutter öffnete mir nach meinem Sieg die Haustür mit den Worten „Ich hab noch nie nen Deutschen Meister bei mir reingelassen“, also es ist der Wahnsinn, der helle Wahnsinn.

Ich schließe daraus, dass du trotz dem ganzen Fame, der um deine Person entstanden ist, immer noch mit deiner Freundin zusammen bist?
Ja, Ja! Ich hab zwar Angebote aber… [lacht] Nein, nein also das mit meiner Freundin ist schon gut so.

Wer ist Äxl im realen Leben? Wo kommt er her, was macht er gerne?

Äxl ist im realen Leben der Christian, aber auch schon seit Jahren im Freundeskreis Äxl oder Winey. Ich bin ein sehr lebensfroher Mensch, ich treff mich gern mit Freunden, häng viel zu lange vor Facebook, weil ich jetzt ja auch Fanpost beantworten muss. Nein, Spaß, ich bin ein sehr umgänglicher Mensch ich hab Spaß im Leben, ich hab Spaß an Crossboccia. Ich bin ein sympathischer Kerl, anders kann man das eigentlich nicht sagen.

Wann wurdest du vom Crossboccia-Fieber angesteckt?
Das ist eine ganz witzige Geschichte. Ich kenn den Timo Beelow – seines Namens ja Erfinder des ganzen Sports – schon seit Kindertagen, weil wir zusammen Tae Kwon Do gekämpft haben. Letztendlich bin ich durch den Brian (Spielername Sheriff), der mir damals bei Facebook nen Link geschickt hat für den Spotter [Anm. d. Red: ein Tool auf unserer Webseite zum Entdecken von Spielorten] mit der Trendsportart in Berührung gekommen. Als er mir davon erzählte, dachte ich mir „Warum weiß ich nichts davon?!“, ich kenn mein ganzes Leben lang Boccia und spiele es mit meinem Vater am Strand. Ja, und dann hat er mir die Bälle gezeigt und zwei Wochen später war ich bei der Weltmeisterschaft und hab am Sonntag im Einzel gespielt. Damals mäßig erfolgreich – ich glaub ich bin damals im Achtelfinale ausgeschieden, aber es war OK, für das erste Mal spielen. Ja, und dann hatte mich das Fieber gepackt. Das war 2011 bei der WM; am Samstag hatte ich leider keine Zeit, aber am Sonntag hatte ich versucht das Ding zu rocken, bin gescheitert. Das hat einen angespornt, man hat öfter trainiert. Und dann kam der erste andere Cup, wo man schon sehen konnte „ah, da ist doch etwas mehr Potential“. Dann traf man auf Wojtek [Edel] und man merkte man kann doch nichts (lacht). Aber wie ich gezeigt habe kann man auch gegen Wojtek gewinnen.

Gibt es Würfe, die du nochmal besonders geübt hast?
Vor der letzten WM habe ich eineinhalb Wochen damit verbracht den Schulterwurf zu üben, der über den Rücken nach vorne geworfen wird und der einer der kompliziertesten Würfe ist, man nennt ihn auch Backbraker. Und vor der deutschen Meisterschaft habe ich sehr viel mit der linken Hand gespielt, weil die „Flinken Finger“ und die Herren aus Hamburg [Team Rage Inc.] gerne mit der schwachen Hand spielen, und das sollte man doch schon trainieren.

Welches Turnier, an dem du teilgenommen hast, ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Was mir bei der deutschen Meisterschaft in Erinnerung geblieben ist, war Edel‘s Leistung. Er ist ein super Boccia-Spieler und es war definitiv das knappste Viertel-Finale, dass ich je erlebt habe. Zuerst stand es für Edel, Knolle und mich 3-3-3, dann schafft es Knolle einen Punkt zu machen. Beim nächsten Wurf verhaut Knolle seinen ersten Wurf, Edel wirft und platziert den Ball 3 cm neben den Marker, und ich schaffe es mit meinem Wurf den Ball wirklich halb auf den Marker zu kriegen.
Auch in Erinnerung geblieben ist mir das Wuppertaler Turnier, das ich mit organisert hatte, denn die Location war geil. Es gab einen schönen Wanderpokal, die Leute waren gut drauf, es kamen viele Leute zu mir danach die sagten „boah, richtig geile Location, richtig gutes Turnier“. Es waren 50 Teilnehmer bei einem selbstorganisierten Turnier, was ja nicht selbstverständlich ist.

Was sind deine Ziele für die nächsten Cups?
Das Highlight wäre natürlich im Finale bei der WM dabei zu sein. Es muss kein Sieg sein aber eine Finalteilnahme, nachdem ich im letzten Jahr mit den beiden letzten Würfen es nicht geschafft habe Punkte zu machen um direkt in das Finale einzuziehen und dann im Stechen gegen Schlitzohr – der ja Zweiter geworden ist, was er definitiv verdient hatte – verloren habe. Also das ist definitiv mein Ziel dieses Jahr.

Gibt es etwas, dass du dir für das nächste Turnier wünschst?
Also ich hätte gerne dass unser German Open 2013 Sponsor Dosionair wieder für die WM unsere Drinks zur Verfügung stellt, nicht nur weil ich die diesjährige Traubenschorle super lecker finde, sondern auch weil es letztes Jahr definitiv die besten Energy Drinks gab, die ich je in meinem Leben getrunken habe – aber das hat jetzt nichts mit Crossboccia zu tun (lacht).

Hast du einen Tipp für die anderen Spieler, um ihre Trainingserfolge in den Turnieren besser umsetzen zu können?
Generell sich nie ärgern. Das habe ich definitiv zuletzt beim Wuppertal Cup gemerkt, wo ich dann den Finaleinzug nicht geschafft habe. Ich habe mir bei Fehlwürfen so einen Druck gemacht, der nicht nötig ist. Du musst Marker-Wurf zu Marker-Wurf denken, denn es ist wie ein neues Spiel. Den Fehler macht man am Anfang sehr häufig. Und natürlich daheim die Bälle ab und zu in die Hand nehmen, sich eine Ecke im Zimmer suchen, da braucht man auch nicht mal den Marker für. Auch wenn man unterwegs ist, einfach mal einen Punkt anvisieren und versuchen ihn zu treffen.

An welchem berühmten Ort würdest du am liebsten mal zocken?
Einmal über den Grand Canyon – ich war aber noch nie in den USA, weshalb dieser Wunsch vermutlich etwas utopisch ist. Ansonsten, was ich halt sehr geil fände, wäre es, einen Staudamm als Bande zu benutzen, weil da der Ball schön runterrollen kann.

Freestyle Boule aus Wuppertal

Wie bist du auf deinen Spielernamen gekommen?
Erstmal Äxl mit Ä-X-L. Ich bin ja leidenschaftlicher Torwart (in der Halle). Ich hatte, manche Leute wissen das ja noch, mal sehr lange Haare und bevor sie so lang waren hatte ich zwei Möglichkeiten: entweder mache ich mir so eine ganz komische Palme oben auf dem Kopf, weil die Haare nicht lang genug waren für nen Zopf hinten oder ich mach mir ein Stirnband rein. Ich hatte ein Kopftuch daheim, das war so eine Amerika-Flagge und davon kam dann von Axel Rose von Guns and Roses der Spitzname beim Fußball. Und weil ich keinen Bock hatte Axel geschrieben zu werden habe ich das Ä eingeführt. Ist halt cooler, finde ich ;)
Und Winey kommt von einem Lied von Shabba Ranks, „Winey, Winey“. Es ist ein Dancehall-Tune. Wir sind früher regelmäßig mit der Truppe im U-Club in Wuppertal gewesen und da drehte sich einer um und sagt „Yo Winey“. Und nachdem ich ja Weinmann mit Nachnamen heiße und halt sehr gerne tanze… „Wine“ heißt auf Patwa [Anm. d. Red.: Jamaikanisch-kreolische Sprache] „shaken“. Und da mich die Leute unter beiden Namen kennen habe ich die Namen als vor und Nachnamen verbunden, sodass jeder weiß wer ich bin.

Du bist ja nicht nur als Spieler aktiv, sondern engagierst dich inzwischen zusätzlich als Mitarbeiter bei Crossboccia. Inwieweit hat sich deine Sicht auf Crossboccia dadurch verändert?
Als Spieler denkt man ja immer, gut da sitzen halt ein paar Jungs im Büro dann ist halt alle paar Wochen ein Event da gibt’s ein paar Bälle… Also das ist schon wirklich anders wenn ich dann sehe wie viel Timo und Wojtek da reinstecken. Wenn alle Feierabend machen und die beiden dann noch um 20-21 Uhr im Büro hocken, teilweise sogar Sonntags, um Workshops vorzubereiten, mit Sponsoren zu reden, um mit Schulen zusammenzuarbeiten… Also das ist schon ne Menge die dahinter steckt, das denkt man als Spieler so nicht. Vielleicht gehen deshalb auch immer so viele Spieler nach Turnieren direkt nach Hause ohne beim Aufräumen zu helfen. Ist auch so ein kleiner Seitenwink den ich in diesem Interview unbedingt von mir geben wollte. Also Leute, einfach mal mit anpacken!

Wer ist dein Lieblingsgegner?
Es gibt natürlich Gegner, gegen die ich gerne antrete, da ich mir da meine Chancen am höchsten ausrechne, weil ich nach zweieinhalb Jahren weiß, welcher Spieler wo seine Stärken und Schwächen hat. Klar wird man immer wieder überrascht, denn die Leute üben ja auch und dann gelingen ihnen Würfe die sie vor kurzem nicht konnten. Im Endeffekt sind es Yogi, Master P, Funda… also ich könnte 10-15 Namen locker aufzählen. Aber mein absoluter, momentaner Hass-Lieblingsgegner ist der Woergi, weil er meinen Cup gewonnen hat, meinen Wanderpokal mit nach Gießen genommen hat und mich damit in der Weltrangliste überholt hat – wobei ich jetzt sagen muss, ich bin mit meinen 2400 Punkten von der Deutschen Meisterschaft natürlich wieder weit voraus. Woergi ist auch ein sehr konstanter Spieler, der fast jeden Wurf beherrscht. Und klar, wenn du auf Edel triffst, oder auf Timo – den Chefs will man immer einen reinwürgen.

Wer ist dein Angstgegner?
Ganz klar, Edel! Das sieht man auch an der Weltrangliste. Er ist einfach ein sehr konstanter Spieler, der beidhändig fast jeden Wurf kann, einfach auch wegen seiner Handball-Vorgeschichte. Ich mag es außerdem gar nicht gegen Knolle zu spielen, weil Knolle bei langen Distanzen einfach nahezu unschlagbar ist. Also wenn ich auf Knolle treffe weiß ich dann schon „oh, das wird ne harte Runde“. Aber das weiß jeder der Kombo-Knolle kennt.

Und wie sieht es aus mit den Gießenern, da gibt es auch eine ganz besondere…
…Freundschaft. Sie werden auch als berüchtigt beschrieben, da sie bei ihrem ersten Turnier, ich glaub das war auf der BOOT in Düsseldorf, gleich mit zwei Mann im Einzel direkt ins Finale eingezogen sind. Und ich glaube dazu auch noch im Team das Finale erreicht haben. Sie kamen sozusagen aus dem nichts und waren direkt ganz oben mit dabei. Da hat man vor allem bei Woergi gemerkt, dass bei ihnen mega Potential herrscht: Ich habe mir aber auch sagen lassen, die trainieren regelmäßig. Von nichts kommt auch nichts. Im Team sind sie bei der deutschen Meisterschaft auch auf den dritten Platz gekommen. Und wie man sieht mischen die Jungs jetzt auch die Weltrangliste auf. Im Einzel spiele ich gerne gegen die Jungs, im Team spiele ich nicht so gerne gegen sie – hat aber auch andere Gründe. Ich frag auch immer vor dem Turnier ob die Gießener angemeldet sind. Für mich ist Woergi der Favorit der Truppe, wobei Scheki und Burner, gegen die ich seltener antreten musste, auch Potential haben.

Wer noch nie bei einem Crossboccia-Turnier dabei war soll dies schnell nachholen, denn…
…er verpasst sonst eine der besten Trendsportarten die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen sind. Oder um es anders zu sagen: Wer nicht kommt verpasst das Beste.
Zum Schluss noch ein Assoziationsspiel! Ich gebe dir einen Begriff und du sagst mir, was dir als erstes dazu einfällt:

Sabine Lisicki (die deutsche Tennishoffnung) – Ehhhhh, Steffi Graf

Jugendarbeitslosigkeit – Zum Kotzen!

Sommer 2013 – (gröhlt) Deutscher Meister!

Crossboccia Kopien – (lacht hämmisch) Wasn das fürn Scheiß?

Edward Snowden (der NSA-Whistleblower) – Guter Mann, kann bei mir im Keller einziehen!


In diesem Sinne: Winey Got Balls, Leute!

 

 

 


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